Online- 
Beratung mit Herz & Verstand

Online-Paarberatung: Der Blog

 

 

In diesem Blog geht es – Überraschung! – um Beziehungsprobleme und mögliche Ansätze einer Lösung. 
Der jeweils neueste Eintrag steht oben. 
Ältere Einträge werden gelöscht. Gemeint sind immer alle denkbaren Geschlechtsformen (m/w/d).


 

Hier z.Zt. verfügbar:


Warum gerate ich immer an den Falschen?

Spätfolgen einer Affäre

Wenn jeder Streit eskaliert

Was kann eine Paarberatung bewirken?

Wie kann ich SIE / IHN glücklich machen?

Wenn ER sich nicht entscheiden kann

Mit Körpersprache das Gegenüber beeinflussen

Fehlende Vorbilder

Verbotene Worte

"Seine Kumpels sind ihm wichtiger als ich"

Rente ist Krisenzeit

"Nie hört er mir zu"

"Er liegt am liebsten auf der Couch"

Beziehungskrise nach der Geburt eines Kindes

Warum Vorwürfe nichts bringen

Kommunikation in Beziehungen


16.2.2024 Einzelberatung: Warum gerate ich immer an den Falschen?

Immer häufiger habe ich junge Frauen in meiner Online-Beratungs-Sprechstunde, die  nach mehreren negativen Erfahrungen mit Männern "die Nase voll" von Beziehungen haben. Ein klassischer Satz ist dabei: "Immer gerate ich an den Falschen." Viele Frauen sind dadurch so frustriert, dass sie die Suche nach "Mr. Right" erst einmal aufgeben. Aber woran liegt diese Fülle von schlechten Erfahrungen? Manchmal dauert es mehrere Sitzungen, bis wir zum Kern des Problens kommen. Nicht immer, aber doch recht häufig handelt es sich um Klientinnen, die seit ihrer Kindheit unter einem etwas unterentwickelten Selbstwertgefühl leiden. Sie wurden selten gelobt, hatten nicht sehr viele Erfolgserlebnisse und konnten deshalb eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben, vor denen jeder Mensch mehrmals im Leben steht, nicht bewältigen: Sich selbst so okay zu finden, wie man nun einmal ist. Wenn dann später die Partnersuche beginnt, suchen sich diese Frauen unbewusst jemanden, der ihnen genau diese Entwicklungsaufgaben bzw. ihre Bewältigung abnehmen soll. Um das zu erreichen, passen sie sich dem neu gefundenen Partner so weit wie möglich an. Es entsteht eine "Verschmelzung ohne Identität". Und die ist keine gute Voraussetzung für das Gelingen einer Beziehung. Es geht in den Einzelberatungen also sehr stark darum, diesen Frauen wieder (oder erstmals) zu einem gesunden, stabilen Selbstbewusstsein zu verhelfen. Merke: Nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben!


1.1.2024 Paarberatung: Spätfolgen einer Affäre

Schwer vorstellbar, aber gar nicht so selten: Eine Affäre, die noch 20 Jahre später die Ehe belastet. In diesem Fall war er der "Übeltäter" und hatte fest damit gerechnet, dass seine Frau eines Tages "darüber hinweg kommen" würde. Leider war das nicht der Fall. Zwar hatte sie sich aufrichtig bemüht, ihrem Mann die Affäre zu verzeihen, zumal nichts dafür sprach, dass sich so ein Vertrauensbruch wiederholen würde. Aber sie schaffte es einfach nicht. Beim kleinsten Ehestreit kam bei ihr "alles wieder hoch". Er hingegen vertrat nun den Standpunkt: Nicht meine Affäre bringt die Ehe an den Rand des Abgrunds, sondern die Reaktion meiner Frau darauf. Schließlich ist "die Sache" über 20 Jahre her, was soll ich denn noch tun? Inzwischen sind die Kinder aus dem Haus, und nun reicht es ihm: Erstmals spricht er von Scheidung. So kamen die beiden zu mir. Die Frau sah theoretisch durchaus das Problematische an ihrem Verhalten, aber sie schilderte auch ihre Unfähigkeit, in der Praxis daraus Konsequenzen zu ziehen. Der Mann schien eine Trennung für einen Akt der Selbstbefreiung zu halten: Endlich ohne Schuldgefühle zu leben, erschien ihm äußerst erstrebenswert. In der Online-Paarberatung haben wir dann heraus gearbeitet, wie die beiden eigentlich damals mit der Affäre umgegangen waren. Es stellte sich heraus, dass sie eigentlich niemals wirklich über die Gründe gesprochen hatten. Warum war er damals fremd gegangen? Was, um es klischeehaft zu sagen, hatte die andere, was seine Frau nicht hatte? Was hatte ihm damals in der Ehe gefehlt? Hatte er ein schlechtes Gewissen beim Fremdgehen? Damals hatte sie es nicht geschafft, diese quälenden Fragen von ihm beantwortet zu bekommen, und er hatte keinerlei Eigeninitiative gezeigt, mit ihr darüber zu sprechen. Aber nun, nach so vielen Jahren? Erst waren beide nicht begeistert von meinem Vorschlag, dies nun moderiert nachzuholen. Er sowieso nicht – und sie nicht mit dem Argument "was sollen wir die alten Geschichten jetzt noch aufwärmen?". Sie ließen sich dann doch dazu überreden, und zwar mit dem Argument "wenn ihr euch sowieso trennt, ist es doch egal". Tatsächlich haben wir dann in fünf Sitzungen den alten "Film" von damals erstmals abgespielt. Die beiden gingen dabei sehr offen miteinander um, sehr behutsam und vorsichtig. Sie erfuhren womöglich mehr übereinander als in den letzten 20 Jahren. Was aus ihnen geworden ist, weiß ich leider nicht: Sie haben sich bis heute nicht wieder gemeldet, was ein gutes Zeichen ist.


4.12.2023 Paarberatung: Wenn jeder Streit eskaliert

Immer wieder entscheiden sich Paare für meine Online-Paarberatung, weil ihre Streitigkeiten regelmäßig eskalieren und mit Geschrei und knallenden Türen enden. Beide versichern, dass sie das gar nicht wollen. Sie erleben, wie die gegenseitig zugefügten verbalen Verletzungen immer heftiger werden. Das Ende der Beziehung, das sehen beide so, kündigt sich an. Sie möchten nun wissen, was sie tun können, um sich quasi aggressionsfrei zu streiten. Erst einmal muss man sagen, dass es aggressionsfreies Streiten nicht gibt. (Keine Aggression = kein Streit.) Die Frage ist vielmehr, wie man in der Partnerschaft mit Aggressionen umgeht.  In der Paarberatung hilft es oft schon sehr, wenn man so einen Streit einmal "aufbröselt": An welcher Stelle genau, bei welcher Reaktion, vielleicht sogar bei welchen Reizwörtern beginnt die Eskalation? Manchmal ist es auch ein non-verbales Verhalten, das den anderen explodieren lässt, z.B. demonstrative Überlegenheit, ein genervter Blick zum Himmel o.ä. Hat man das heraus gefunden, ist schon viel gewonnen. Jetzt wird es darum gehen, genau diese Reize im Streit zu vermeiden. Das kann man üben. Eine andere Möglichkeit ist, den Streit an der entscheidenden Eskalationsschwelle einfach für einen Moment zu unterbrechen: Innehalten, tief Luft holen, sich über die gefährliche Situation klar werden und dann erst weiter streiten. Dazu darf dann einer von beiden auch gern mal kurz in ein anderes Zimmer ausweichen! Das ist kein Weglaufen, sondern Teil der Deeskalation. Der Streit geht ja weiter. Nur ohne Schreierei.


30.11.2023 Was kann eine Paarberatung bewirken?

Viele Klienten nehmen eine Paarberatung  in Anspruch, weil sie meinen, dass der Paarberater ihre Probleme lösen kann. Meistens hoffen sie, dass der Partner oder die Partnerin vom Paarberater mal so richtig "auf den Topf gesetzt" wird, ihr eigener Standpunkt in der Krise also bestätigt wird. Beides ist falsch. Ein Paarberater ist weder dazu da, Probleme zu lösen, noch sich auf eine Seite zu schlagen. Ein Paarberater ist immer überparteilich, d.h.: Er versteht beide Seiten, denn das Verhalten des einen ist immer auch bedingt durch das Verhalten des anderen. Auch wird der Paarberater niemals versuchen, die Probleme eines Paares aktiv zu lösen, indem er z.B. sagt: Ihr macht das jetzt so oder so, und dann klappt's auch wieder in der Partnerschaft. Nein: So läuft eine Paarberatung ganz gewiss nicht ab! Was der Paarberater aber leisten kann, wo er unterstützend tätig wird, ist dies: Er hilft den Klienten, die Situation aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten. Sehr oft ist es die Perspektive des anderen Partners. In einer Krise neigt man dazu, sich in dem eigenen, scheinbar fest zementierten Standpunkt einzuigeln. Man verliert vor lauter Ärger, Trauer, Verzweiflung und Wut die Fähigkeit, auch einmal inne zu halten und sich damit zu beschäftigen, wie die Situation wohl gerade aus Sicht des anderen aussieht. So treffen zwei, scheinbar nicht miteinander zu vereinbarende Standpunkte aufeinander – sofern in der Beziehung überhaupt noch kommuniziert wird. Hier der eine Standpunkt, dort der andere. Das aber kann es nicht gewesen sein, so geht es nicht weiter, so gibt es keinen Ausweg, kein Licht am Ende des Tunnels, keine gemeinsame Weiterentwicklung. Am Schluss kann dann sogar die Trennung stehen. Hier setzt nun die Arbeit des Paarberaters ein. Sein Klient ist nicht der eine oder der andere Teil der Partnerschaft, sondern sein Klient ist die Beziehung. Im Gespräch entwickelt er mit den beiden die notwendigen Schritte, um den eigenen Standpunkt auch mal zu verlassen und die Lage aus dem Blickwinkel des anderen zu sehen. Danach lässt sich dann erörtern, was beide aus diesem Blickwinkel-Wechsel lernen können und wie sie gemeinsam den ersten Schritt auf einem neuen Weg gehen können. Das ist immer mühsam, es ist manchmal verletzend, es macht bisweilen wütend oder hilflos: Aber es lohnt sich. Wenn ich die Arbeit des Paarberaters einmal mit einem plastischen Beispiel verdeutlichen soll, dann nehme ich ein Auto, das sich scheinbar unrettbar festgefahren hat. Da hilft nur jemand, der kräftig anschiebt oder ein Abschleppseil im Kofferraum hat! Und genau diese Rolle kann der Paarberater übernehmen.


28.11.2023 Online-Paarberatung: Wie kann ich SIE / IHN glücklich machen?

Natürlich meldet sich niemand für eine Online-Paarberatung an, um eine Antwort auf diese Frage zu finden. Ich stelle in Krisengesprächen aber immer wieder fest, dass die Frage viele Menschen latent begleitet. Gerade, wenn die Beziehung mal nicht mehr so gut läuft, denkt man ja auch über den eigenen Anteil an der Entwicklung nach und überlegt dann, ob man selbst vielleicht auch etwas versäumt hat. Die Antwort ist glasklar und ich versuche dann immer, meine Klienten sanft in diese Richtung zu "schieben": Glücklich machen kann einen nicht der Partner oder die Partnerin. Sondern glücklich machen kann man nur sich selbst. Jeder ist "seines Glückes Schmied", sagte Oma immer, und das ist nicht nur vollkommen korrekt, sondern es bringt's exakt auf den Punkt. Liebe ist etwas höchst Egoistisches. Ich empfinde sie dann als beglückende Bereicherung, wenn sie MIR gut tut. Im Optimalfall geht es der Partnerin bzw. dem Partner ebenso: Auch sie / er empfindet unsere Liebe als beglückende Bereicherung, weil sie ihr / ihm gut tut. Wenn wir das in der Online-Paarberatung geklärt haben, ist es an der Zeit für einen Cut: Jetzt soll jeder von beiden darüber nachdenken, was sie / ihn denn im Moment glücklich machen würde. Aufschreiben und den Zettel umdrehen, denn der / die andere soll nicht sehen, was da drauf steht! Warum, ist klar: Wir drehen den Spieß nun um. ER schreibt auf, was SIE im Moment glücklich machen würde und SIE schreibt auf, was IHN im Moment gllücklich machen würde. Es schließt sich dann eine meist sehr lebhafte Debatte an, denn – o Wunder –  beide haben voll "aneinander vorbei" geschrieben, haben also von der "Glücks-Idee" des Partners / der Partnerin relativ wenig Ahnung. Um noch mal auf die obige Frage zurück zu kommen: Glücklich machst du sie / ihn dann, wenn du deine eigenen Vorstellungen von deinem ganz persönlichen Glück klar kommunizierst. Also: Frage nicht, wie du jemanden glücklich machen kannst, sondern frage dich, was dich selbst glücklich machen würde!


3.11.2023 Online-Paarberatung: Wenn ER sich nicht entscheiden kann

Es war dieses Mal keine Paar-, sondern eine Einzelberatung. Und ein Problem, dass es in vielen (wenn nicht sogar in den meisten) Beziehungen in der Anfangsphase gibt: Eine(r) kann sich eine "richtige" Beziehung vorstellen, der (die) andere nur eine "lockere". In diesem Fall wusste SIE nicht weiter.  ER schien alles abzublocken, was nach "mehr" roch. Er legte auch großen Wert darauf, dass sie "nicht zusammen" seien. Andere Frauen waren offenbar nicht im Spiel. In der Online-Paarberatung sind wir dann die letzten Wochen gemeinsam durchgegangen. Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass die Initiative für gemeinsame Unternehmungen fast immer von IHR ausgegangen war. "Das war mir so gar nicht bewusst", sagte sie, "aber damit ist jetzt Schluss." Nach zwei weiteren Online-Sitzungen war dann auch ihr Plan perfekt – und sie so gestärkt, dass sie auch einen Abbruch der Beziehung ohne größere Probleme überstanden hätte. Ab sofort hatte sie jede Menge eigene Aktivitäten auf der Liste, traf sich mit Freundinnen, ging mal wieder ins Fitnessstudio oder mit ihrer Mutter ins Museum. Der Erfolg kam ziemlich schnell: Er war erst verunsichert, kam dann selbst mit Vorschlägen für gemeinsame Aktivitäten und hatte plötzlich gar nichts mehr gegen eine "feste" Beziehung. Der neueste Stand ist, dass die beiden sogar schon mal über Kinder gesprochen haben...


14.10.2023 Online-Paarberatung: Mit Körpersprache das Gegenüber beeinflussen

Jeder weiß, was Körpersprache ist. Aber kaum jemandem ist bewusst, wie man das Gegenüber mit der richtigen Körpersprache zum eigenen Vorteil beeinflussen kann. Dabei ist es ganz leicht! Das Ziel ist, aufs Gegenüber empathisch, zugewandt und freundlich zu wirken. Das verbessert das Klima bei einem Gespräch und erleichtert es uns, unsere Ziele zu erreichen. Übrigens ist die richtige Körpersprache nicht nur beim Gespräch innerhalb einer Beziehung wichtig. Sie hilft auch sonst ungemein, z.B. beim ersten Date oder bei einem Vorstellungsgespräch! Die erste Regel: Deine Knie sollten immer parallel direkt auf dein Gegenüber zeigen. Wenn du dich leicht zur Seite drehst, zeigst du dem Gegenüber buchstäblich die (kalte) Schulter, und das wird unbewusst als unfreundlich empfunden. Also achtet auf eure Knie! Als nächstes ist das "Spiegeln" dran. Das geht so: Ihr beobachtet, welche Körperhaltung das Gegenüber einnimmt, wartet ein paar Sekunden und nehmt dann eine ähnliche Haltung ein. Das kann z.B. das Übereinanderschlagen der Beine sein, oder ein entspanntes Zurücklehnen, oder das Gegenüber stützt das Kinn auf eine Hand oder verschränkt die Arme vor der Brust. Etwas zeitversetzt und ganz nebenbei macht ihr das jeweils auch. Natürlich nicht plump und brutal, sonst kommt ihr rüber wie Clown August! Sondern subtil und kaum merkbar, auf jeden Fall wie zufällig. Das "Spiegeln" bewirkt beim Gegenüber eine Menge, ohne dass es bewusst wahrgenommen wird: Es löst Gefühle wie "Sympathie", "Verstanden werden", "Harmonie" usw. aus. Was immer ihr von eurem Gegenüber wollt – mit der richtigen Körpersprache erreicht ihr euer Ziel erheblich schneller.


9.10.2023 Online-Paarberatung: Fehlende Vorbilder

Gerade junge Paare leiden unter einem Problem, das in der gesellschaftlichen Debatte weit unterschätzt wird. Es fehlen ihnen die Vorbilder. Früher orientierten sich junge Paare meistens am Verhalten ihrer Eltern. Auch wenn sie als Jugendliche rebellisch gewesen waren: Als junge Erwachsene wünschten sie sich eine Beziehung, die so haltbar und krisenfest wie die ihrer Eltern war. Sie hatten somit ein Vorbild, an dem sie sich orientieren konnten. Damit ist es heute vorbei. Der Generationswechsel findet so schnell statt, wie sich die gesamte Welt zu entwickeln scheint: Was gestern noch galt, ist heute schon von vorgestern und klingt wie aus dem Geschichtsbuch. Zwischen der heutigen Generation im jungen Erwachsenenalter und ihren eigenen Eltern bzw. deren Vorstellungen von einer guten Beziehung klafft ein derart tiefer Abgrund, dass man sich an ihnen überhaupt nicht mehr orientieren kann. Das beginnt mit der Rollenverteilung von Frau und Mann in der Beziehung und hört mit dem, was man sagen, denken, glauben kann, noch lange nicht auf. Daraus resultiert eine bemerkenswerte Orientierungslosigkeit, die die Generationen vor uns so nicht kannten. Was nun tun? In der Paarberatung ist es manchmal hilfreich, im weiteren Umfeld der jungen Paare zu suchen: Meistens gibt es da doch irgend ein Paar, das noch nicht "von gestern" ist und die eigene Beziehung erstaunlich gut hin kriegt. Gern lasse ich meine Klienten dann schildern und aufschreiben, was genau denn diese Beziehung so haltbar macht. Meistens ergibt sich dann daraus doch noch eine Art "Vorbild-Funktion", und viele Fragen, die bis dahin unlösbar erschienen, finden plötzlich eine (manchmal recht einfache) Antwort. Denn so ganz ohne Vorbilder zu sein – also ohne Menschen im sozialen Umfeld, die man einfach "gut" findet und an deren Verhalten man sich orientiert – macht das Leben wirklich nicht leicht.


2.10.2023 Online-Paarberatung: Verbotene Worte

In der Paarberatung wird eigentlich nichts verboten, denn der Paarberater soll überzeugen und nicht verbieten.. Dennoch ist es manchmal unerlässlich, klare Regeln aufzustellen, an die sich beide Klienten halten. Bei Streitigkeiten innerhalb der Beziehung  wird sehr oft verallgemeinert: Man kommt vom Einzelfall aufs "Große und Ganze" und erhebt Vorwürfe, gegen die sich der/die andere so pauschal eigentlich kaum wehren kann. Typischerweise beginnen solche Vorwürfe mit den Worten "immer", "nie", "ständig" usw. Gute Erfahrungen habe ich mit einem klaren "Verbot" dieser Worte gemacht, d.h.: Die Klienten achten zu Hause darauf, dass sie ihre Vorwürfe (wenn sie sich denn welche machen) keinesfalls generalisieren und erst einmal tief durchatmen, bevor sie ihren Vorwurf thematisieren. Der Verzicht auf die Generalisierung trägt erheblich dazu bei, dass man sich ums konkrete Problem kümmert und nicht abschweift. Davon unabhängig lernt man in einer Paarberatung aber, dass die Zeit der Vorwürfe nun endgültig vorbei ist: Statt Vorwürfe zu machen, äußert man Bitten. Aber das ist ein anderes Thema. 


24.9.2023 Online-Paarberatung: "Seine Kumpels sind ihm wichtiger als ich"

Ein Beziehungs-Problem, das recht häufig genannt wird – allerdings meistens im Zusammenhang mit anderen Problemen, heißt: Was SIE in einer ansonsten sehr gut funktionierenden Beziehung möglicherweise akzeptieren (klaglos hinnehmen) würde, ist nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Nicht besonders vielversprechend ist es also in der Online-Paarberatung, IHM seine Kumpels auszureden oder IHR seine Kumpels schmackhaft zu machen. Wir haben stattdessen erst einmal gar nicht so viel über die Kumpels gesprochen (er verbringt 1-2 Abende pro Woche mit ihnen, hinzu kommt am Sonntag nachmittag noch sein Fußball), sondern wir haben uns gemeinsam die Beziehung insgesamt näher angeschaut. Da hatte sich eine Menge aufgestaut, und zwar auf beiden Seiten. Er fühlte sich von ihr bevormundet, sie beklagte seine mangelhafte Kommunikation, er wollte "nur seine Ruhe", sie bestand auf "mehr Gemeinsamkeit" usw.  Die lange Liste der beidseitigen Unzufriedenheit haben wir Punkt für Punkt abgearbeitet. Schon dabei geriet das Thema "Kumpels" in den Hintergrund und wurde zunehmend unwichtiger. Man kann an diesem Beispiel ganz gut erkennen, dass oft ein beliebiges Thema heraus gegriffen wird, um eine viel größere und tiefer sitzende Unzufriedenheit auszudrücken. Man denke nur an die sprichwörtliche "offene Zahnpastatube": Natürlich ist nicht sie das Problem, sondern sie ist ein Symbol für alles, was einen stört. Wie die Sache mit den Kumpels ausgegangen ist? Er hat auf 1x wöchentlich reduziert, sie hat ihren eigenen Freundeskreis erheblich erweitert und unternimmt jetzt auch mal was ohne ihn.  


17.9.2023 Online-Paarberatung: Rente ist Krisenzeit

Die beiden hatten sich so auf die Rente gefreut und jahrelang Pläne geschmiedet. Dann war es endlich so weit. Aber es kam anders. Während sie bisher den Haushalt quasi nebenbei gut im Griff gehabt hatte, mischte er sich nun in alles ein. Das "Rumsitzen" zu Hause gefiel ihm überhaupt nicht. Er fing an, das Geschirr im Küchenschrank neu zu sortieren, hatte viel zu meckern, war unzufrieden und "unleidlich", wie sie erzählte. Schließlich dachte sie – immerhin nach über 30 Jahren Ehe – sogar über eine Trennung nach. Was war da passiert? Weiter unten war schon einmal die Rede von den sog. "Entwicklungs-Aufgaben", die uns immer dann zu schaffen machen, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Der Eintritt in die Rentenzeit gehört zweifellos dazu. Jetzt gerät das Gleichgewicht in der Beziehung außer Kontrolle und muss völlig neu hergestellt werden. In der Online-Paarberatung gehe ich mit den Klienten immer ganz kleine Schritte. Zunächst haben sie gelernt, sich gegenseitig zu sagen, was sie stört – ohne dass es Streit gibt. Dann konnten wir einen ersten Kompromiss erzielen: ER verändert nichts in der Wohnung, ohne es vorher mit IHR abzusprechen, und SIE akzeptiert, dass ER sein Tätigkeitsfeld nun zu Hause hat, wodurch sie natürlich Kompetenz abgeben muss. Entscheidend war am Ende jedoch, dass die Schwierigkeiten des Paares in Relation zu ihrem neuen Lebensabschnitt gestellt wurden. Soweit ich weiß, engagiert er sich jetzt ehrenamtlich in einer Kita und hilft dort beim Deutschunterricht für Kinder, die noch kein deutsch sprechen. Auch das hat geholfen, die Ehekrise zu überwinden.


15.9.2023 Online-Paarberatung: "Nie hört er mir zu"

Der Klassiker in der Online-Paarberatung. Man muss ihn nicht erklären: Jeder weiß, was gemeint ist. Spannend ist die Frage, warum Männer eigentlich "nie zuhören". Zunächst einmal ist die Generalisierung ("nie...") unzulässig, denn er hört manchmal schon zu (z.B. wenn sie ihm vom Ausgang des heutigen Formel 1-Rennens erzählt, das er nicht gucken konnte). Er hört also selektiv nicht zu. Das ist eine männliche Eigenschaft, die in den Genen liegt. Als Männer noch mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gingen, war die Unterscheidung von Geräuschen überlebenswichtig. Sie mussten das Raubtier hören, bevor sie es sahen. Das Zwitschern der Vögel haben sie deshalb kaum wahrgenommen und sich aus Gründen des Selbstschutzes lieber auf die wichtigen Geräusche konzentriert. Nun ist das Risiko, dass der Mann am Frühstückstisch von einem hungrigen Leoparden angefallen wird, heute eher gering. In der Online-Paarberatung wird es nun darum gehen, IHN für IHRE Botschaften zu sensibilisieren. Das funktioniert oftmals mit einem Rollentausch sehr gut: Für ein paar Minuten spricht er wie sie, und sie hört zu wie er. Beide sehen sich plötzlich in einem ganz neuen Licht (mit den Augen des anderen). Aber natürlich gibt es in der Online-Paarberatung noch viele andere Möglichkeiten, um IHN zu einem emphatischen, sehr interessierten Zuhörer zu machen... 


13.9.2023 Online-Paarberatung: "Er liegt am liebsten auf der Couch"

Wenn ein Paar zusammen zieht, ändert sich mehr, als man vorher dachte. Jetzt kehrt der Alltag ein. Jeder zeigt nun sein "wahres Gesicht". Früher war jedes Treffen ein Highlight, und jeder hat sich viel Mühe gegeben, um beim anderen in einem möglichst guten Licht zu erscheinen. Jetzt, im Alltag, kommen Eigenschaften zutage, die man vorher gar nicht kennen konnte! Sehr oft kommt es dann zu Beziehungskrisen. Ein Beispiel: ER entwickelt überhaupt keine Initiative, um abends noch mal was zu unternehmen. SiE hingegen ist eher unternehmungslustig. Seinen Hang zur Couch mit einem Bierchen und Knabberkram hat sie nicht gekannt. Eine Weile akzeptiert sie es, dann wird sie unzufrieden, danach gereizt, dann liegt Stress in der Luft und es wird heftig gestritten. Sie sehnt sich nach ihrem früheren Leben zurück. Aber alleine ausgehen mag sie auch nicht: Wozu hat sie denn jetzt eine feste Beziehung? In der Online-Paarberatung wird es zunächst darum gehen, dass beide Verständnis füreinander entwickeln und sich gegenseitig ernst nehmen. Dass sie einander zuhören und versuchen, sich gegenseitig zu verstehen. Was für den einen eine Lappalie ist, kann für den anderen beziehungsentscheidend sein! Als nächstes geht es darum, in ganz kleinen Schritten Kompromisse zu finden. Wird es gelingen, dass jeder seinen Freiraum hat und beide trotzdem gemeinsame Aktivitäten entwickeln? (In diesem Fall ist es gelungen. Soweit ich weiß, ist das Paar – die Paarberatung liegt einige Monate zurück – noch zusammen und glücklich.


11.9.2023 Online-Paarberatung: Beziehungskrise nach der Geburt eines Kindes
Jede Lebensphase bringt neue Herausforderungen für die Partnerschaft (außer der allerersten Phase, der Zeit des Verliebt-Seins). Solche Lebensphasen sind z.B. ein Ortswechsel, das Zusammenlegen der Wohnungen, die Einschulung eines Kindes, der Auszug der erwachsenen Kinder, der Beginn der Rentenzeit und am Ende Krankheiten bis hin zur Pflegebedürftigkeit. Mit Glück und gutem Willen werden beide Partner gemeinsam mit diesen Herausforderungen fertig und überstehen sie. Unterschätzt wird von vielen Paaren jedoch, was die Geburt eines Kindes für die Partnerschaft bedeutet. Dabei beginnt gerade jetzt eine besonders schwierige Lebensphase. In der Online-Beratung ähneln sich die Geschichten: ER fühlt sich ausgegrenzt, SIE versteht das nicht. Für SIE zählt in den ersten Monaten nur das Baby, alles andere – und jeder andere – ist zweitrangig. ER versteht das (zumindest theoretisch), aber mit der Rolle als "fünftes Rad am Wagen" kann er sich nicht anfreunden. Hinzu kommen ganz normale körperliche Beschwerden, Schlafmangel und Erschöpfung sind nur zwei davon. Daraus entsteht eine Gereiztheit, die beide so bisher nicht kannten, aus Gereiztheit entsteht Streit – wie soll das nur weitergehen? Manchmal ist es hilfreich, wenn man in der Online-Beratung den Bezug zwischen den Problemen und der Lebensphase herstellt. "Das geht allen so" ist zwar ein schwacher Trost. Aber wenn man gemeinsam erörtert, was genau die Herausforderungen dieser Phase sind und wie man sie in vielen kleinen Einzelschritten bewältigen kann, ist schon viel erreicht. Man findet das Verhalten des anderen dann immer noch nicht toll – aber man weiß jetzt wenigstens, warum sie oder er sich so verhält. Und das nimmt extrem viel Druck aus dem Kessel.

9.9.2023 Online-Paarberatung: Warum Vorwürfe nichts bringen
Es gibt wohl keinen Beziehungs-Streit ohne Vorwürfe. Entweder kommen sie von einer Seite und die andere Seite erträgt sie ohne Gefühlsregung, oder die Vorwürfe bedingen sich gegenseitig. Man schaukelt sich hoch. Typisch ist, dass es meistens um dieselben Vorwürfe geht. Der Effekt von Vorwürfen ist meistens anders, als der Absender hofft. Er hofft, dass sich "etwas ändert". Der andere denkt aber gar nicht daran, etwas zu ändern. Er fühlt sich angegriffen und reagiert so, wie man halt auf einen Angreifer reagiert: Mit Schutzmechanismen und Verteidigungshaltung. In der Online-Paarberatung lernen die Klienten deshalb, auf Vorwürfe komplett zu verzichten. Zwar gibt es in der Paarberatung keine "Verbote", aber hier mache ich eine Ausnahme: Ja, Vorwürfe sind ab sofort verboten, und zwar in der Beratung UND zu Hause. Stattdessen üben wir, wie man's viel besser machen kann. Wie man den Spontan-Vorwurf stoppt, halt nicht gleich den Vorwurf raus feuert, sondern wie man statt eines Vorwurfs eine Bitte formuliert. Und weil das Leben nun mal kein Ponyhof ist, muss diese Bitte natürlich auch erhört und ernst genommen werden, denn sonst wirft einer mit Wattebällchen und den anderen interessiert es gar nicht. Da kann eine Online-Beratung gut intervenieren: Vorwurf – stop – kurz nachdenken – als Bitte formulieren. Auf der anderen Seite: Die Bitte hören – kurz nachdenken – ist kein Vorwurf – kein Grund, sich zu wehren – können wir mal probeweise umsetzen. So lässt sich die Beziehung schon nach ein paar Online-Beratungen deutlich verbessern.

7.9.2023 Online-Paarberatung: Kommunikation in Beziehungen
Es ist so einfach, dass es eigentlich längst kein Problem mehr sein dürfte: Das häufigste Problem in Beziehungen ist schlechte Kommunikation. Entweder hat man sie total verlernt, oder sie ist eingeschlafen. Oder Kommunikation läuft immer ähnlich ab und landet regelmäßig in einer Sackgasse mit gegenseitigen Vorwürfen. Was ich auch oft in den Beratungen erlebe, ist negativ besetzte Generalisierung in der Kommunikation: "Nie...", "immer..." usw. Frauen klagen oft darüber, dass sie von ihren Männern nicht mehr wahrgenommen werden. "Er will gar nicht mit mir reden." Männer hingegen beklagen sich häufig, dass ihre Frauen einfach "immer reden" wollen und nicht begreifen, dass sie nach der Arbeit kaputt sind und einfach "nicht mehr reden" wollen. In der Paarberatung geht es nun darum, dass die Partner wieder miteinander reden lernen. Dafür gibt es das "Zwiegespräch". Es hat einfache Regeln. Wir üben das zunächst in der Beratung, und dann gibt es ein "Zwiegespräch" als Hausaufgabe. Man kann sich das so vorstellen, als wenn der eine ein Selbstporträt mit Worten malt und das dem anderen überreicht. Das "Zwiegespräch" hat verblüffende Effekte. Oft fühlt sich die Beziehung schon nach einem einzigen "Zwiegespräch" viel besser an.
Ältere Beiträge gelöscht am 7.9.2023